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Die ältesten auf der Anlage von Schloss Preetz vorzufindenen Hinweise einer Besiedlung gehen auf das 13.Jahrundert zurück.

Der heutige unscheinbare Schlossteich mit seiner Insel war einst

ein von Wasser umschlossener slavischer Turmhügel aus dem 13. Jahrhundert (heute Bodendenkmal).

Es waren auch die Slaven, die dem Orte Preetz seinen Namen gaben.

In der Slavischen Sprache hieß "po retze" "an einem Fluß". Hieraus entwickelten sich diverse Ableitungen wie "Poratz" oder "Paretz" oder "Preetz".



Schwedische Matrikelkarte 1696 - Greifswalder Digitales Informationssystem
http://www.dhm.uni-greifswald.de/




Zu diesem Zeitpunkt bestand das heutige Gutsschloss noch nicht.

1745 werden die von Bohlen aus dem Hause Preetz in den Reichsgrafenstand erhoben.

In dieser Zeit wurde das barocke Herrenhaus errichtet oder bestand bereits.

Der Grundkörper des Herrenhauses ist demnach und gem. der bislang getätigten Untersuchungen barocken Ursprunges und wurde wohl Anfang/ Mitte des 18.Jh erbaut. Einige Säulen aus Terracotta sind wohl noch von diesem Vorgängerbau aus dem 18.Jh. übernommen worden. Das genaue Baudatum ist nicht bekannt.

Weiterer Hinweis im Geneal. Handbuch bürgerlicher Familien 1. Band von 1889, Hinweis auf Testament des 1831 auf Preetz gest. Grafen Wilhelm von Bohlen.


Preussisches Urmesstischblatt 1:25.000; 1643 Niepars aufgenommen und gezeichnet 1835 -Faksimiledruck Landesvermessungsamt Mecklenburg-Vorpommern.


Auf dieser Karte von 1835 ist bereits am heutigen Standort des Schlosses ein Objekt eingezeichnet.


Preetz nach seiner letzten Renovierung im Jahre 1881. Preussische Topographische Karte von 1885


Die Preetzer Gutsanlage, wie sie sich aus einem Versicherungsvertrag der Familie Baerecke aus ca. dem Jahre 1930 ergibt.

(Einige der hier sichtbaren Gebäude und der Teich sind zwischenzeitlich beseitigt worden. Viele jedoch noch erhalten. s.u.)

1815 ist Graf Wilhelm von Bohlen Sprecher der Ritterschaft bei der Übergabe von Schwedisch-Pommern an Preußen in Stralsund!


Das heutige Erscheinungsbild des Gutsschlosses mit Turmanbau wurde wahrscheinlich im Jahre 1840/45 (bauhistorische Untersuchungen - Hoffmann bzw. Fassadengutachten - Gürke) geprägt.

Im Jahre 1845 heiratet Graf Ludwig von Bohlen Caroline Friderike Henriette von Keffenbrinck Griebenow.

http://www.Schloss-Griebenow.de

Es ist davon auszugehen, dass zu diesem Zusammenschluss zweier sehr großer, namhafter und einflußreicher Familien das Preetzer Herrenhaus zu dem heutigen Erscheinungbild des Schlosses umgebaut wurde um diesem Ereignis standesgemäß gerecht zu werden.

Das allseits bekannte Datum der Wetterfahne von 1881 zeugt lediglich von einer umfassenden Renovierung der Schlossanlage. Hierbei wurden Fenster erneuert, Heizung eingebaut und diverse andere kleinere Maßnahmen getroffen.

Auch die Greife mit den Wappenschilden der beiden Familien von Bohlen und von Klot-Trautvetter sind in dieser Zeit errichtet worden.

Die Fassadengestaltung und Gliederung wurde hierbei nicht geändert (gem. Restauratorische Voruntersuchung  Gürke 2009).

Der heute sichtbare Putz ist geschlossen und noch original Putz, bis auf kleinere Reparaturstellen, aus dem Jahre 1840/1845!


Somit wurde der grundlegende Umbau im klassizistischen Stile nach aktuellem Stand bereits ca. 1840 durchgeführt und das ehemalige Gutshaus in sein heutiges Erscheinungsbild eines Gutsschlosses umgewandelt.

Der Umbau fällt in die Ära der 1. Generation der Schinkelschüler. Eine Zuordnung zu einem Architekten konnte bislang noch nicht erfolgen. Auffällig sind jedoch Ähnlichkleiten zur Potsdamer bzw. Berliner Palais- Villenarchitektur (Dräger, Landesamt Schwerin).

Zitat Dr. Lissok Universität Greisfswald (sinngemäß):

"Die Architektur weist jedoch entwickelte Neorenaissance-Formen nach Mustern der italienischen Hoch- und Spätrenaissance auf, was als einer der ersten G. Semper bei seinen Dresdner Bauten etwa Mitte der 1840er Jahre realisiert hatte (etwa beim Palais Oppenheim oder der Villa Rosa).
Es (Schloss Preetz) wäre ein völlig singulärer Bau für seine Gattung,aber daran kann man kaum glauben und ich stehe einer möglichen Frühdatierung weiterhin sehr skeptisch gegenüber.
"

Als weiteres einzigartiges Detail ist die Erschliessung des Objekts von der Seite nennenswert.



Erbherrin (Fideikommissherrin seit 1856 - seit dem Tode ihres Vaters) und auch Bauherrin (Umbau) von Preetz war zu diesem Zeitpunkt die Tochter des Grafen Carl Friedrich Wilhelm von Bohlen, Hedwig Anna Caroline Wilhelmine Gräfin von Bohlen, welche sich am 06.Juni 1867 mit Ernst Malte Graf von Klot-Trautvetter (gest. 15.Sept. 1879), Majoratsherrn und Fideikommissherr seit 1845 auf Hohendorf, vermählt hatte.

Preetz war offensichtlich seit dem Tode des Grafen von Bohlen (an einen Herrn Düwell) verpachtet worden.

Nach dem Tode von Graf Klot-Trautvetter kehrte die Gräfin in ihr Elternhaus (zu ihrer Mutter bzw. mit iIhrer Mutter ?) zurück und "renovierte" Preetz bis 1881.

Am Eingang des Gutsschlosses errichtete Sie Wappen beider Familien.
Hier wachten zwei imposante pommersche Greife, die jeweils ein Wappenschild hielten. Links vom Eingang das Wappen der Familie Klot-Trautvetter / Hohendorf, rechts das Wappen der Familie von Bohlen. Beide wurden in der nahen Vergangenheit "entsorgt".

Wappenschild mit dem Wappen der Familie Klot-Trautvetter am Eingang links

Wappenschild mit Wappen der Familie von Bohlen am Eingang rechts

Pommerscher Greif mit Wappenschilder jeweils flankierend links und rechts von Eingang


Auf Preetz lebte die Gräfin Klot-Trautvetter, geb. Gräfin von Bohlen bis zu ihrem 74. Lebensjahr und verstarb hier schließlich am 28.03.1923.

In den Jahren um 1907 veranlasst Sie diverse Umbauten und Neubauten auf dem Gut Alt -Preetz und Neu -Preetz (Schmedshagen).

Gräfin von Klot-Trautvetter wurde im eigenen Mausoleum in Groß Mohrdorf, welches Sie bis 1885 für sich und ihren verstorbenen Ehemann bauen ließ beigesetzt. Hier ruhte bereits ihr verstorbener Ehemann neben dessen Sarg sie häufig gesessen und gebetet hatte.

In Ihrem Grabmal zitiert Sie einen Vers aus Jeremia 29.11:

"Ich weiß wohl. was ich für Gedanken über euch habe. spricht der HERR. nämlich Gedanken des Friedens und nicht des Leides. dass ich euch gebe das ende dess ihr wartet."

Beide Särge wurden in den Nachkriegsjahren im Moor versenkt. Seither nennt sich das Mausoleum - um dem leeren Raum gerecht zu werden - lieblos
"die Preetzer Kapelle".

Das Rittergut erbte schliesslich als Fideikommissherr der
Freiherr von Langen Keffenbrinck Griebenow (aus Parow)
, der sich im späteren Verkaufsvertrag nannte:
Freiherr von Bohlen von Langen von Keffenbrick Griebenow
.

Freiherr von Bohlen von Langen Keffenbrinck Griebenow verkaufte schließlich das Gut im Jahre 1928.

Im Jahre 1928 erwarb es rechtmäßig mit notariellem Kaufvertrag der Major Max Otto Baerecke, http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Baerecke
welcher in den 20er-Jahren Reichstagsabgeordneter in der Weimarer Republik gewesen ist.

Nach 1945 wird die Gemeinde Rechtsträger. Die Familie von Baerecke wurde vollständig enteignet und dem eigenen Grund und Boden verwiesen.

In dem Gutsschloss werden 9 Familien einquartiert, eine Krankenstation mit Gemeindeschwester, die Post und ein Kulturraum untergebracht.
Das Gut wurde später zunehmends zerstückelt und teilweise veräußert. Selbst der Marstall wurde abgegliedert und verkauft.

Noch zu DDR-Zeiten wurde die aufwändige Freitreppe an der Terrasse abgerissen und ein "Anbau" für gastronomische Zwecke errichtet.
Die großen Tor- Säulen der Einfahrt wurden ebenfalls entfernt.

Auch die großen Fachwerk -Stallungen (Kuhstall und Schweinestall) der Gutsanlage mußten weichen. Ein Teich zwischen Marstall und Stallungen wurde zugeschüttet.

Teile der Parkanlage wurden ausgegrenzt und als Kleingärten verpachtet.


Nachdem schliesslich festgestellt wurde, dass es im Schloss bauphysikalische Probleme gibt wurde es geräumt und blieb seither, seit nunmehr über 20 Jahren unbewohnt.


Vor über 20 Jahren verkaufte dann die Gemeinde sowohl das Schloss als auch gesondert den Marstall.

Zunächst wurde der Marstall mit einem Teil des Hofes verkauft. Kurz darauf wurde auch das Schloss selbst mit Resten des dazugehörigen Parks und dem Teich an einem anderen Privatmann veräußert.
Die gesamte Anlage von Schloss Preetz befindet sich seit nunmehr über 20 Jahren in privatem Eigentum. Zwei Vorbesitzer des Schlosses hielten das Objekt jeweils für 10 Jahre ohne ihre Sanierungsziele realisieren zu können. Nicht zuletzt erschwert die Situation des abverkauften Marstalles eine mögliche Nutzung und somit Sanierung.
Lediglich das Dach wurde in dieser Zeit saniert und eine kleinere Schwammsanierung durchgeführt. Eine restauratorische Voruntersuchung wurde durchgeführt.

Das Resultat ist das heutige Erscheinungsbild, welches jedoch trotz aller Widrigkeiten - wie ein Fels in der Brandung - noch von erstaunlich guter Erhaltung geblieben ist.

Hier zeigt sich die hohe Schule der Baukunst und der handwerklichen Fähigkeiten dieser Epoche.

Das Gutsschloss steht dergestalt seit ca. 1840!
(bzw. der Hauptbau nahezu 100 Jahre davor)

Familiengrab der Gräfin und des Graf von Bolhen

Bild Bernd Pfeifer Stralsund

 Grabmal des Grafen Ludwig Carl Friedrich Wilhelm Graf von Bohlen, gest. 28.Nov. 1856

sowie seiner Ehefrau

der Gräfin Caroline geb. Keffenbrinck-Griebenow, gest. 08.Aug. 1886.

Beide fanden hier ihre letzte Ruhestätte im Preetzer Park.